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Land Oberösterreich und BMWET: CCS als Baustein für den Industriestandort

Landeshauptmann Thomas Stelzer und Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer haben bei einem gemeinsamen Unternehmensbesuch mit Vertretern der Kirchdorfer Gruppe, der Scheuch Group und RAG Austria über die Voraussetzungen für den Einsatz von Carbon Capture and Storage (CCS) in Österreich gesprochen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie energieintensive Produktion, Wertschöpfung und Arbeitsplätze langfristig in Österreich gehalten werden können. Für technologisch nicht vermeidbare Emissionen kann CCS dabei eine wichtige Rolle spielen.

„Unser Ziel ist klar: Wir wollen industrielle Produktion, Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Österreich halten. Gerade dort, wo Emissionen technologisch nicht vollständig vermeidbar sind, dürfen wir unseren Unternehmen nicht die Perspektive nehmen. Dafür braucht es Technologieoffenheit – und CCS muss Teil dieser Lösung sein können. Die Aufhebung des CO-Speicherungsverbots ist eine der zentralen Klimaschutzmaßnahmen für die Industrie der kommenden Jahre.  Jetzt geht es darum, rasch die notwendigen rechtlichen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit wir mit ersten Projekten starten und Schritt für Schritt Erfahrungen sammeln können“, so Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer.

CCS für technologisch unvermeidbare Emissionen
Besonders in sogenannten Hard-to-abate-Sektoren wie der Zement-, Kalk- oder Grundstoffindustrie lassen sich bestimmte prozessbedingte Emissionen technologisch nicht vollständig vermeiden. In der Zementproduktion entstehen etwa zwei Drittel der Emissionen unmittelbar bei der chemischen Umwandlung von Kalkstein.

Das Kirchdorfer Zementwerk ersetzt fossile Energieträger bereits zu rund 95 Prozent. Für die darüber hinaus verbleibenden prozessbedingten Emissionen ist CCS daher eine mögliche technologische Lösung.

Gleichzeitig steigt mit dem schrittweisen Auslaufen der kostenlosen CO₂-Zertifikate der wirtschaftliche Druck auf energieintensive Unternehmen. Entscheidend ist daher, zusätzliche Möglichkeiten zur Emissionsreduktion zu schaffen und zugleich die Wettbewerbsfähigkeit heimischer Standorte zu sichern.

Gute Voraussetzungen in Oberösterreich
Oberösterreich verfügt über besondere Voraussetzungen für erste CCS-Projekte: Industrieunternehmen, Anbieter der notwendigen Anlagentechnik und potenzielle geologische Speicherstätten liegen räumlich nahe beieinander. Dadurch könnten einzelne Schritte der CCS-Kette – von der Abscheidung über den Transport bis zur Speicherung – unter realen Bedingungen erprobt werden.

„Wir müssen das Außergewöhnliche nutzen, das Oberösterreich zu bieten hat: Nirgendwo sonst liegen starke Industrie, international erfolgreiche Umwelttechnologie und jahrzehntelange Speicherkompetenz so nah beieinander. Oberösterreich ist das führende Industrie- und Exportbundesland Österreichs. Unser Anspruch ist, industrielle Produktion nicht nur zu erhalten, sondern ihre Transformation aktiv mitzugestalten. CCS bietet dafür eine große Chance: für neue Technologien, neue Wertschöpfung und langfristig sichere Arbeitsplätze und Standortperspektiven“, betont Landeshauptmann Thomas Stelzer.

Technik vorhanden – Rahmenbedingungen entscheidend
Die wesentlichen technischen Schritte von CCS – Abscheidung, Transport und geologische Speicherung – sind grundsätzlich erprobt. Scheuch hat im Kirchdorfer Zementwerk bereits eine Probeanlage zur CO₂-Abscheidung installiert. RAG Austria verfügt über langjährige Erfahrung mit geologischen Speicherstätten.

Die zentrale Herausforderung liegt derzeit vor allem in den wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen. Erste industrielle Projekte sind mit hohen Investitionen verbunden und müssen unter realen Bedingungen wirtschaftlich darstellbar sein.

„Österreich hat das Know-how, die Unternehmen und die technologischen Voraussetzungen, um bei CCS eine aktive Rolle zu spielen. Was wir jetzt brauchen, sind Rahmenbedingungen, die Investitionen ermöglichen und erste Projekte tatsächlich auf den Boden bringen. Denn unser Anspruch muss sein, neue Technologien nicht nur zu diskutieren, sondern daraus Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Österreich entstehen zu lassen. Genau diesen Weg wollen wir jetzt Schritt für Schritt gehen“, so Hattmannsdorfer.

Die Unternehmen sind bereit
Für erste CCS-Projekte braucht es einen gesetzlichen Rahmen für die geologische Speicherung von CO₂ sowie wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die Investitionen in industrielle Projekte ermöglichen.

Kirchdorfer, Scheuch und RAG Austria signalisierten beim gemeinsamen Termin Interesse daran, erste Vorhaben umzusetzen, sobald die notwendigen Rahmenbedingungen vorliegen.

„Wir reduzieren unsere Emissionen überall dort, wo es technisch möglich ist. Für die verbleibenden, prozessbedingten Emissionen ist CCS der entscheidende nächste Schritt, um die Zementproduktion in Österreich langfristig abzusichern”, so Joao Paulo Pereira da Silva, Geschäftsführer der Kirchdorfer Gruppe und Leiter der Sparte Zement.

Stefan Scheuch, CEO der Scheuch Group, ergänzt: „Die Technologien sind vorhanden, unsere Probeanlage im Kirchdorfer Zementwerk ist bereits in Betrieb. Aus einem österreichischen Nachweis kann eine international einsetzbare Umwelttechnologie entstehen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.”

Und Markus Mitteregger, CEO der RAG Austria AG, betont: „Wir verfügen in Österreich über ausreichend sichere Lagerstätten. Wenn wir die Wertschöpfung nicht exportieren wollen, müssen wir jetzt gemeinsam daran arbeiten, diese für die CO₂-Speicherung nutzbar zu machen.”

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