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LH Stelzer/Bgm. Vogl: Lernort Synagoge Steyr – Jüdische Geschichte, Erinnerungskultur und Demokratiebildung

Der neue Lernort Synagoge in Steyr wird jüdische Lebenswelten sichtbar machen – ihre Vielfalt, ihre Brüche und ihre Nachwirkungen bis in die Gegenwart. Die ehemalige Synagoge wird dabei selbst zum Lernmedium: als authentischer Ort, an dem Geschichte nicht distanziert betrachtet, sondern räumlich und emotional erfahren wird. Der Lernort füllt in Zeiten von steigendem Antisemitismus eine Lücke, wo es heute nur wenige Möglichkeiten gibt mit dem Judentum in Oberösterreich in Kontakt zu treten.

Mit dem Projekt „Lernort Synagoge“ wird das einzige erhaltene Synagogengebäude Oberösterreichs aus der Zeit vor 1938 als Ort des historischen Lernens und gesellschaftlichen Dialogs neu belebt. Die dauerhafte Ausstellung erzählt erstmals umfassend die Geschichte der jüdischen Gemeinde von Steyr und Oberösterreich in ihrer Vielfalt vor 1938 über den Zivilisationsbruch der nationalsozialistischen Verfolgung bis hin zu Überleben, Neubeginn und Abschied nach 1945.

Biografien als Herzstück der Ausstellung

Im Zentrum des Lernorts stehen persönliche Lebensgeschichten. Biografien bilden das Herzstück der Ausstellung und machen historische Entwicklungen greifbar.
Zehn Geschichten von jüdischen Familien, sowohl aus der Zeit vor 1938, aber auch aus der Zeit nach 1945, zeigen die Vielfalt jüdischer Lebenswelten: unterschiedliche Berufe, religiöse Zugänge, politische Haltungen, Alter und Geschlecht. Die Menschen werden nicht auf ihre Verfolgung reduziert, sondern als handelnde Subjekte mit einer Vor- und Nachgeschichte sichtbar gemacht. Auch hier stehen möglichst die Geschichten von Jugendlichen im Vordergrund, um der Hauptzielgruppe von Schülerinnen und chüler Anknüpfungsmöglichkeiten zu geben.
Die Ausstellung ist klar gegliedert: Sie beginnt mit einer Einführung in jüdische Identitäten, Religion und kulturelle Vielfalt, führt über die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Steyr zur Zäsur von Entrechtung, Vertreibung und Ermordung zwischen 1938 und 1945 und lenkt den Blick anschließend auf die kaum bekannte Geschichte der Displaced Persons in Oberösterreich. 1946 wurde die Steyrer Synagoge von Holocaust-Überlebenden wieder eingeweiht – einzigartig außerhalb Wiens. Viele jüdische Überlebende fanden in Oberösterreich vorübergehend Schutz, gründeten Familien, bekamen Kinder, blieben jedoch nicht. Der Lernort fragt daher bewusst: Warum gibt es heute keine jüdische Gemeinde mehr in Steyr?

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